Biomasseanbau

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe hat in den vergangenen Jahren mit dem deutschlandweiten Bioenergieboom auch in Brandenburg stark an Bedeutung gewonnen. 2007 wurden auf 200.000 ha Fläche Energiepflanzen angebaut. Dies entspricht 19 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes und mehr als einer Verdopplung gegenüber 2006. Nach Ansicht des Landesbauernverbandes ist damit das Potenzial ausgeschöpft. Eine weitere Steigerung der erzeugten Rohstoffmenge sei nur durch eine Erhöhung der Erträge von dieser Fläche möglich. Dominierend sind in Brandenburg Roggen- und Rapsanbau, Mais spielt mit 10.700 ha in 2007 Brandenburg eine weniger dominante Rolle. Ca. 10 % der Energiepflanzen werden auf Stilllegungsflächen angebaut (19.700 ha). Die Rapsanbaufläche hat bis 2006 stetig zugenommen. Aber auch dieses Potenzial ist auf Grund pflanzenbaulicher Grenzen (Bodenqualität und Fruchtfolgen) so gut wie ausgeschöpft.

Der Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide hat nach Jahren sinkender bzw. stagnierender Preise den Getreideanbau für die Nahrungsgüterproduktion wieder interessant gemacht. Nun bleibt abzuwarten, in welchem Umfang der Energiepflanzenanbau für Landwirte zukünftig attraktiv ist. Höhere Energie-Flächenerträge können durch den Anbau neuer Arten erreicht werden. Dazu zählen zum Beispiel verschiedene Hirsearten (Zuckerhirse, Sudangras), an deren Anbau und energetischer Nutzung z.B. in Biogasanlagen geforscht wird.

In der landwirtschaftlichen und agrartechnischen Forschung spielen seit Jahren Kurzumtriebs- oder Schnellwuchsplantagen aus Pappeln oder Weiden eine wachsende Rolle. Da der Rohstoff Holz aus Wäldern deutschland- und europaweit knapp ist bzw. werden wird, ist die alternative Holzproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen in Plantagen eine interessante Option. Forschungsbedarf besteht hinsichtlich der pflanzenbaulichen Aspekte (Anbau, Arten-/Sortenwahl, Erträge) aber auch hinsichtlich der Technik für Pflanzung, Pflege und Ernte.

Die Anlage von Kurzumtriebsplantagen, in Frage kommen Weide, Pappel oder auch Robinie, erfolgt durch das Pflanzen von Stecklingen. Die Stecklinge können ca. 20 cm lang und unbewurzelt oder länger und bewurzelt sein. In trockenen Jahren ist ohne Bewässerung die Gefahr groß, dass die frisch gepflanzten Stecklinge nicht anwachsen sondern vertrocknen.

Nach vier bis fünf Jahren und entsprechender Pflege können die jungen Bäume erstmals geerntet werden. Aus den Wurzelstöcken treiben die Pflanzen dann erneut aus und können regelmäßig alle vier bis fünf Jahren geerntet werden.

In Brandenburg wurden bisher hauptsächlich auf Bergbaukippenflächen in der Lausitz größere (> 100 ha) Schnellwuchsplantagen angelegt. Daneben gibt es zahlreiche kleinere (< 10 ha) Flächen auch in den übrigen Landesteilen.

Vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) e.V. in Finsterwalde wurde 2007 ein Erzeugerhandbuch für Schnellwuchsplantagen erstellt, welches gegen eine Schutzgebühr dort bezogen werden kann.

Die ETI war in der Vergangenheit Antragsteller und Koordinator aber auch Partner zahlreicher EU-, Bundes- und Landesprojekte zur Bestimmung und Entwicklung des Biomassepotenzials in Brandenburg und zur Entschärfung des Konfliktes zwischen stofflicher und energetischer Nutzung von Biomasse. Eines der Projekte ist das EU-INTERREG III B-Projekt "Baltic Biomass Network" mit Partnern aus Finnland, Estland, Litauen, Lettland, Polen und Deutschland zur Erfassung von Biomassepotentialenin den Partnerländern. Die Ergebnisse des Projektes dienen als Entscheidungshilfe für Investoren und Politik. Die Abschlussbroschüre des Projektes vom Dezember 2007 kann bei der ETI kostenlos bestellt werden. 

Weitere Projekte: DENDROM Zukunftsrohstoff Dendromasse

Forschungskooperation Biomasse für Sunfuel

Die Bundesländer Brandenburg, Niedersachsen und Hessen befassen sich gemeinsam mit dem VW Konzern in einer Wissenschaftskooperation mit Fragen zur Entwicklung einer Biomasseinfrastruktur, um so die Grundlage für eine großtechnische Produktion biogenen Kraftstoffs (Sunfuel) zu schaffen.

Im Vordergrund der ersten Phase 2004 bis 2009 stand die Ermittlung des landwirtschaftlichen Biomassepotenzials einschließlich sozioökonomischer und ökologischer Betrachtungen.

Die zweite Phase von 2009 bis 2014 setzt den Schwerpunkt der Forschungsarbeit auf holzartige Biomasse aus Kurzumtriebsplantagen sowie aus der Wald- und Landschaftspflege. Gleichzeitig werden Möglichkeiten der Gewinnung von Biomasse aus schadstoffbelasteten Grünlandstandorten, aus der Vergasung von Algen und aus der Aufbereitung von Treibgut untersucht.

Das Land Brandenburg beteiligt sich in der zweiten Phase der Forschungskooperation mit einem Demonstrationsvorhaben zum streifenweisen Anbau von schnell wachsenden Hölzern auf erosionsgefährdeten Flächen. Das Projekt soll 2010 beginnen und neben Untersuchungen zum Erosionsschutz auch Aussagen zur Verbesserung des Humusgehaltes, der Biodiversität und des Landschaftsbildes enthalten.

Nähere Informationen zur ersten Phase des Projektvorhabens finden Sie in der Broschüre Biomasse für Sunfuel (2006), Informationen zu den Ergebnissen der Länderkooperation finden Sie in der aktuellen Ergebnisbroschüre von 2008.

Die Ergebnisse der Forschungskooperation wurden außerdem am 23. April 2008 auf einem Fachsysmposium während der Hannover Messe Industrie/Energy in Hannover vorgestellt.

Die ETI wird finanziert aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.