12. Brandenburger Energietag am 16.09.2010 (BTU Cottbus)

Der Brandenburger Energietag 2010 in Cottbus stand unter dem Motto „Brandenburg – Zukunft mit Erneuerbaren Energien“. Mit über 400 angemeldeten Teilnehmern wurde in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung erreicht. Darin widerspiegelt sich das gewachsene Interesse an aktuellen energiepolitischen Themen und speziell an regenerativen Energien.

In seiner einleitenden Rede betonte der Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten, Ralf Christoffers, dass neben der Einsparung von Energie und Steigerung der Energieeffizienz der Ausbau der erneuerbaren Energien die entscheidende Rolle für die Realisierung der anspruchsvollen energie- und klimapolitischen Ziele des Landes spielt. Er unterstrich, dass der Vorrang für erneuerbare Energien Konsequenzen für das Handeln von Politik, Wirtschaft und Verwaltung hat. Zugleich ging er auf die vielfältigen Konfliktpotenziale ein, mit denen neue Energietechnologien bei der Umsetzung in die Praxis konfrontiert sind. Deshalb sei es notwendig, dass eine integrierte Energie- und Klimaschutzstrategie nicht nur auf das traditionelle Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Klima- und Umweltschutz ausgerichtet wird, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz als Prämisse von gleichem Rang einschließt. Die Landesregierung werde bei der Fortschreibung der Ziele der Energiestrategie 2020 die Ergebnisse des gesellschaftlichen Dialogs berücksichtigen, eine sorgfältige Abwägung der Chancen und Risiken neuer Energietechnologien sowie eine größtmögliche Transparenz aller Handlungsschritte sichern.

Die Fachforen am Nachmittag reflektierten die große Bandbreite der technologischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Probleme beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Brandenburg.

Das Forum 1 war der Netzintegration von Strom aus regenerativen Energien gewidmet. Das hohe Wachstumstempo bei der Stromerzeugung aus Windkraft, Photovoltaik und Biomasse ist zunehmend mit der beschränkten Aufnahme- und Transportkapazität der Netze konfrontiert. Der Netzausbau konnte seit Jahren nicht mehr Schritt halten mit der Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, in Spitzenzeiten mussten bereits Windenergieanlagen abgeschaltet werden. Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern kann die Gefahr gesellschaftlicher Fehlinvestitionen begünstigen. Deshalb ist die Landesregierung mit der Notwendigkeit konfrontiert, den Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze mit der rasanten Entwicklung der regenerativen Energien zu synchronisieren. Im Forum informierte die BTU Cottbus über die Fortschreibung der Studie zur Netzintegration der erneuerbaren Energien. Bei der Planung und Realisierung des Netzausbaus geht es um Zeiträume von bis zu 15 Jahren und Investitionen von mindestens 850 Millionen Euro, da ist höchste Eile beim Handeln dringendes Gebot!

Das Forum 2 behandelte zwei Leitprojekte im Verbund von Forschung und Industrie zur Gestaltung nachhaltiger Mobilität in der Hauptstadtregion. Dabei geht es um die Nutzung erneuerbarer Energien für die Entwicklung und Erprobung nachhaltiger Verkehrskonzepte.

Vorgestellt wurde die Modellregion Elektromobilität Berlin-Potsdam, die sich eine internationale Spitzenstellung als Testfeld für alternative Antriebe und Kraftstoffe erarbeitet hat. Es geht um die Weiterentwicklung und Erprobung von Fahrzeugen auf Basis von elektrischen Antrieben, Wasserstoff und Brennstoffzellen sowie Erdgas inklusive Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Präsentiert wurde auch das innovative Leitprojekt e-SolCar, das in der Region Cottbus von der BTU in Kooperation mit Vattenfall und der Firma German E Cars realisiert wird. Komplettiert wurde das Angebot dieses Forums durch mehrere Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, die im Außenbereich präsentiert wurden.

Im Forum 3 präsentierte sich das Forschungsnetzwerk GeoEn, das die Kompetenzen des Landes Brandenburg in der Geoenergieforschung bündelt. Beteiligt sind dabei die BTU Cottbus, die Universität Potsdam und das Deutsche GeoForschungsZentrum. Kernthemen dieses Verbundvorhabens, das Teil der BMBF-Initiative „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ ist, sind die CCS-Technologie, Shale Gas und Geothermie.

Das Forum 4 war auf regionales Energiemanagement in Brandenburg fokussiert, präsentiert wurden regionale Initiativen und Konzepte für Energieeffizienz und erneuerbare Energien von der Lausitz über Märkisch-Oderland bis hin zur Prignitz. Die Vertreter der Regionen stellten viele Praxisbeispiele für die energetische Nutzung von Biomasse und anderen Formen der erneuerbaren Energien vor, die wirkungsvoll zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen und die regionale Wertschöpfung stimulieren. Informiert wurde auch über das neue Förderprogramm REN plus, das die Finanzierung der Erstellung und Umsetzung regionaler Energie- und Klimaschutzkonzepte anbietet.

Ein Höhepunkt des Energietages war die Grundsteinlegung für das neue Wasserstoff-Forschungszentrum an der BTU, die von Dr. Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, gemeinsam mit Wirtschaftsminister Ralf Christoffers vorgenommen wurde. Der Industriepartner der BTU in dem Verbundprojekt „Erzeugung von Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien“, das auf die Entwicklung eines Hybridkraftwerks zielt, ist die ENERTRAG AG. TOTAL unterstützt das Projekt mit der Stiftung zweier Brennstoffzellen.

(Dieter Sasse, 28.09.10)

Flyer mit Programm

Die ETI wird finanziert aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.