10.06.2016

Verzögerungen beim Ausbau des Übertragungsnetzes

Die Bundesnetzagentur hat einen Monitoringbericht zum Stand der Umsetzung der Ausbaumaßnahmen im Stromübertragungsnetz nach dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) veröffentlicht.

Demnach wird sich der Ausbau der HGÜ-Trassen gegenüber den ursprünglichen Planungen insbesondere aufgrund des im letzten Jahr eingeführten Erdkabelvorrangs verzögern.

Das BBPlG umfasst die 43 von der Bundesnetzagentur als vordringlich zur Gewährung eines sicheren und zuverlässigen Netzbetriebes bestätigten Ausbauvorhaben auf Ebene des Übertragungsnetzes. Die Gesamtlänge der Leitungen nach dem BBPlG umfasst 6.100 km, etwa die Hälfte davon sind Netzverstärkungen. Nur eines der Vorhaben nach dem BBPlG ist bereits realisiert (Vorhaben Nr. 26, Bärwalde nach Schmölln, 65 km) und bei zwei Vorhaben (Nr. 33 und Nr. 9, 350 km) ist das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen. Das BBPlG ergänzt die nach dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) von 2009 bereits als notwendig eingestuften 22 Ausbauprojekte mit einem Ausbauvolumen von 1.800 km, von denen bislang aber erst 600 km fertiggestellt sind.

Acht der BBPlG-Vorhaben sollen als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) ausgeführt werden, davon fünf als Erdkabel. Die Bundesnetzagentur geht nach dem nun vorgelegten Bericht von einer Verzögerung der HGÜ-Projekte aus, insbesondere aufgrund der notwendigen Neuplanungen, die sich aus dem im letzten Jahr eingeführten Erdkabelvorrang ergeben.

Für die drei großen HGÜ-Korridore an Land veranschlagt die BNetzA inzwischen im besten Fall folgende Termine für die Inbetriebnahme:

- Korridor A: Vorhaben Nr. 1 (Emden Ost - Osterath) als Erdkabel bis 2025 statt bislang vorgesehen bis 2022 und Vorhaben Nr. 2 (Osterath – Philippsburg (Ultranet)) als Freileitung auf bestehendem Mastsystem bis 2021 anstatt 2019

- Korridor C (SuedLink): Vorhaben Nr. 3 (Brunsbüttel – Großgartach) und Vorhaben Nr. 4 (Wilster – Grafenrheinfeld) als Erdkabel bis 2025 anstatt 2022

- Korridor D (SuedOstLink): Vorhaben Nr. 5 (Wolmirstedt – Isar) als Erdkabel bis 2025 anstatt 2022

Dass der Erdkabelvorrang nicht nur zu einer deutlichen Kostensteigerung von mindestens 8 Mrd. Euro, sondern auch zu einer zeitlichen Verzögerung des Ausbaus führt, hatten die Übertragungsnetzbetreiber bereits angekündigt, ohne sich genauer festzulegen. Ob die Erdverkabelung die erhoffte Akzeptanz mit sich bringt, wird sich aber erst zeigen, wenn die Übertragungsnetzbetreiber ihre ersten Trassenplanungen vorgelegt haben. Die Verzögerungen im Netzausbau werden sich vor allem in steigenden Kosten für die Netzstabilisierung (Redispatch, EE-Einspeisemanagement, Vorhalten von Reservekraftwerken) niederschlagen. Zudem könnten die Verzögerungen beim Netzausbau die Diskussionen um eine Aufspaltung der deutsch-österreichischen Strompreiszone weiter befeuern.

Quelle: DIHK



Weiter lesen:

< Energy Efficiency Award 2016

Die ETI wird finanziert aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.