10.05.2018

Energieeffizienz: Energieeffizienz-Netzwerke für Unternehmen

Gemeinsam mehr erreichen


Unternehmen, die sich in Netzwerken austauschen, erhöhen ihre Energieeffizienz doppelt so schnell wie nicht vernetzte Betriebe. Noch nutzen allerdings zu wenig Unternehmen diese Möglichkeit. Dabei gibt es viele gute Gründe mitzumachen.

Energieeffizienz und Wirtschaftsstärke sind kein Widerspruch. Das beweisen die derzeit mehr als 160 Energieeffizienz-Netzwerke mit über 1.600 teilnehmenden Unternehmen, die bei der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke angemeldet sind. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie überzeugend: Unterstützt von Experten tauschen sich Unternehmen über praxistaugliche Maßnahmen aus, um ihre Energieeffizienz zu steigern, die Kosten zu senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Außerdem leisten sie so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erfolg der Energiewende.

Mehrere Unternehmen mit einem gemeinsamen Ziel: Energie sparen

In der Regel schließen sich in einem Energieeffizienz-Netzwerk 8 bis 15 Unternehmen aus einer Region oder einer Branche zusammen. Aber auch unternehmensinterne Netzwerke, die zum Beispiel aus mehreren Standorten bestehen, sind möglich. Allen gemeinsam ist, dass sich die Teilnehmer in jedem Netzwerk zu Beginn ein gemeinsames Einsparziel setzen, das sie bis zum Ende der Netzwerkdauer – in der Regel nach zwei bis drei Jahren – erreichen wollen. Dabei erhält jedes Netzwerk Unterstützung von einem professionellen Moderator, der die Netzwerktreffen organisiert, moderiert sowie vor- und nachbereitet. Und von einem Energieberater, der die Unternehmen dabei unterstützt, die passenden Einsparmaßnahmen zu erkennen und durchzuführen. Das Spektrum reicht dabei von energieeffizienten Beleuchtungskonzepten bis zum Regenwasserspeicher für die benötigte Kühlenergie.

Energiekosten senken, Unternehmenswert steigern

Wie das Ganze in der Praxis funktioniert, zeigt zum Beispiel der Erfahrungsbericht aus dem Netzwerk "Energiekostenmanagement DIALOG". Es besteht aus sieben produzierenden Unternehmen am Niederrhein, die mit Unterstützung einer Hochschule ihre Energieeffizienz steigern wollen. Alle Teilnehmer haben bereits im Vorfeld ein Energiemanagementsystem genutzt, das sie im Rahmen des Netzwerks weiterentwickeln wollen. Dazu wurde in der Startphase des Netzwerks der Energieverbrauch in jedem Unternehmen untersucht, anschließend über die Ergebnisse der Analysen diskutiert, Maßnahmen entwickelt und deren Wirtschaftlichkeit berechnet. Danach wurden die Vorschläge umgesetzt – zum Beispiel der Austausch veralteter Druckluftsysteme mit schlechtem Wirkungsgrad, die bessere Wärmedämmung von Hochtemperaturöfen oder die Optimierung der Energieversorgung von Gebäuden. Insgesamt wollen die Teilnehmer so bis Ende 2019 fast 80 Gigawattstunden Energie einsparen – so viel, wie 20.000 Drei-Personen-Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Das senkt die Energiekosten der Betriebe um jährlich 1,1 Millionen Euro und führt zudem zu einer Wertsteigerung der Unternehmen von insgesamt etwa 17,5 Millionen Euro.

Mitstreiter statt Konkurrenten

Einen Schritt weiter ist das Energieeffizienz-Netzwerk Nordbayern, das aus zehn Unternehmen der Maschinenbau-Branche besteht. Die Laufzeit des Netzwerks ist im März 2018 abgelaufen, die selbst gesteckten Ziele konnten bei weitem übertroffen werden: Statt 6,7 Millionen eingesparter Kilowattstunden waren es am Ende 9,6 Millionen – 40 Prozent mehr als geplant! Obwohl die Unternehmen direkte Konkurrenten sind, haben sie beim Thema Energieeffizienz eng zusammengearbeitet und Erfahrungen geteilt – auch wenn etwas mal nicht funktioniert hat. Wie zum Beispiel die Umrüstung auf LED-Beleuchtung in einem der Unternehmen, das die Lampenträger aus Kostengründen nicht gleich mit ausgetauscht hat. Eine Fehlentscheidung, wie sich herausstellte, weil die Ausleuchtung anschließend nicht optimal war – aber ein gutes Beispiel für die anderen Teilnehmer, wie man es nicht machen sollte. Die andernorts geglückte Modernisierung der Beleuchtung, der Austausch von Fenstern, effizientere Druckluftkompressoren, eine bessere Heizwärmeverteilung und Heizungsregelung sowie weitere 32 umgesetzte Maßnahmen brachten jedoch den gewünschten Erfolg – und die Teilnehmer dazu, mit dem Netzwerk in die zweite Runde zu starten.

Mit Frauenpower Energie sparen

Eine weitere Erfolgsgeschichte kann auch das "EnergieEffizienzNetzwerk Essener Innungsbetriebe und Unternehmerfrauen" erzählen. Es ist nicht nur das erste Energieeffizienz-Netzwerk des deutschen Handwerks, sondern zudem das erste reine Frauennetzwerk. Bei den teilnehmenden Betrieben handelt es sich um eine Goldschmiede, drei Elektro-, zwei Maler- und zwei Dachdeckerbetriebe sowie eine Unternehmensberatung. Das Einsparpotenzial ist hier zwar im Vergleich zu den beiden vorherigen Beispielen kleiner, das Ziel, 13.500 Kilowattstunden Strom einzusparen, konnte allerdings sogar um 85 Prozent übertroffen werden. Fast alle im Netzwerk geplanten Maßnahmen haben die Betriebe tatsächlich umgesetzt – von der LED-Beleuchtung über eine bessere Gebäudedämmung, gut abgedichtete Fenster und Türen bis hin zu einer effizienteren Kühlung von Serverräumen. Wichtig war die Erkenntnis, dass auch der kleinste Betrieb an vielen Stellen Energie sparen kann – und es gerade im Rahmen eines Energieeffizienznetzwerkes auch tut. Deshalb haben die Teilnehmerinnen beschlossen, mit ihrem bereits ausgelaufenen Netzwerk ebenfalls in die Verlängerung zu gehen.

Ausgezeichnete Leistung, ausgezeichnetes Feedback

Zu den besonders erfolgreichen Netzwerken, die nun bereits in die zweite Runden gehen, zählen auch die vier, die am 9. April bei der 2. Jahresveranstaltung der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke in Berlin vom Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium (BMWi und BMU) ausgezeichnet worden sind: das EVU-Energieeffizienznetzwerk II, das Netzwerk "Ökoprofit Klub 2017/18", das GlasNET 2.0 und das Energieeffizienznetzwerk Dresden 2. Gemeinsam haben diese vier Netzwerke in zwei Jahren über 50 Gigawattstunden Energie eingespart (mehr dazu erfahren Sie hier).

Dass sich die konkrete Energieeinsparung in fast allen Netzwerken rechnet, belegt auch eine Umfrage unter den teilnehmenden Unternehmen von 2016. Demnach bewerten 83 Prozent der Teilnehmer das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit gut oder sehr gut. 94 Prozent würden anderen Unternehmen die Teilnahme an einem solchen Netzwerk empfehlen. Die Auswertungen von Energieeffizienz-Netzwerken zeigen zudem, dass vernetzte Unternehmen ihre Energieeffizienz durchschnittlich doppelt so schnell erhöhen wie vergleichbare Unternehmen, die sich nicht in Netzwerken zusammengeschlossen haben. Kurz: Die Netzwerke bieten in mehrfacher Hinsicht einen echten Wettbewerbsvorteil.

Bis 2020 noch viel vor – machen Sie mit!

Die Netzwerke gehören zur Initiative Energieeffizienz-Netzwerke, die das BMWi, das BMU und 22 Verbände und Organisationen der Wirtschaft gemeinsam ins Leben gerufen haben. Ziel ist es, bis Ende 2020 rund 500 Netzwerke zu gründen, die insgesamt fünf Millionen Tonnen CO
2 einsparen und damit einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Schon jetzt ist die Initiative die erfolgreichste und größte Energieeffizienzorganisation der Wirtschaft. Je mehr Unternehmen sich zu Netzwerken zusammenschließen, umso größer und nachhaltiger wird dieser Erfolg. Interessierte Unternehmen finden weitere Informationen hier.

Übrigens: Nicht nur in Deutschland sparen Unternehmen durch Netzwerke Energie, auch weltweit findet die Netzwerkidee immer größeren Anklang – zum Beispiel werden in Mexiko, China, Japan und Vietnam bereits erste Pilotprojekte zu Energieeffizienz-Netzwerken umgesetzt.



Weiterführende Informationen:
Initiative Energieeffizienz-Netzwerke
Broschüre "Erfolgreiche Energieeffizienz-Netzwerke stellen sich vor"
Flyer "Gemeinsam für mehr Energieeffizienz"
BMWi-Themenseite "Initiative Energieeffizienz-Netzwerke"




Von: © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Weiter lesen:

< Energiepolitik: Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte beschlossen

Die ETI wird finanziert aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam.